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Achtsamkeit ist nicht genug

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Frage: Seit ich täglich Achtsamkeit praktiziere, bin ich viel ausgeglichener und zufriedener. Trotzdem habe ich oft das Gefühl, das Leben zieht an mir vorbei, ohne mich wirklich zu berühren. In mir ist immer noch eine tiefe, unerfüllte Sehnsucht. Manchmal denke ich, dass ich mich spirituell nicht mehr weiter entwickle. Was könnte mein nächster Schritt sein?
Antwort: Achtsamkeitspraktiken setzen auf ein Ich, das achtsam ist. Das kann das Gefühl von Trennung subtil verstärken. Und zwar zwischen dem Subjekt, das achtsam ist und den Objekten der Achtsamkeit. Das Gefühl von Nähe und Betroffenheit bleibt aus, da stets eine Form von Distanz vorhanden ist.Das Ich muss sich Mühe geben, um den Zustand der Achtsamkeit aufrecht zu erhalten. Das kostet Kraft und kann daher nicht immer gehalten werden. Über die Achtsamkeit hinaus gelangst du im Loslassen aller meditativen oder spirituellen Anstrengungen. Wenn du die Aufmerksamkeit nicht mehr steuerst, fängst du an, das Ganze wahrzunehmen. Damit ents…

Frage: "Was bedeutet die Corona-Krise für dich aus spiritueller Sicht?"

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Ahlaad: "Krisen haben in der spirituellen Kultur und Literatur seit eh und je einen wichtigen Platz. Meistens beschreiben sie einen individuellen, persönlichen Durchbruch, eine Veränderung zu Neuem. Die spirituelle Krise zeichnet sich durch einen Zusammenbruch eines alten Weltbildes aus, einhergehend mit einer unangenehmen Phase der Unsicherheit oder Ohnmacht. Danach wächst ein neues Verständnis über die Zusammenhänge der wahrgenommenen Welt. Pflanzen, Tiere, Menschen und auch nicht lebende Dinge werden als nicht voneinander getrennt erfahren.



Dieses Entwicklungsthema erfahren wir gerade als Kollektiv. Die Menschheit ist wahrscheinlich das erste Mal global und gleichzeitig mit dem Zusammenbruch eines alten Weltbildes konfrontiert. In spiritueller Hinsicht haben wir jetzt die Chance als Menschheit zu reifen, wacher und verantwortungsvoller zu werden. Zurzeit können wir erfahren, dass unser individuelles Verhalten einen Unterschied macht. Wir erleben das gute Gefühl solidarisch zu …

Frage: "Immer wieder erfahre ich schmerzhafte Zurückweisungen und Verletzungen. Wie kann ich mich wirksam davor schützen?"

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Ahlaad: "Ich bin mir nicht sicher, ob Schutz wirklich das Richtige für dich ist. Vor dem Leben können wir uns nicht schützen, es geschieht, ob wir es wollen oder nicht. Und wenn du ehrlich bist, wirst du erkennen, dass es immer wieder Personen oder Situationen in deinem Leben gab, die deinen Schutz durchdringen konnten. Also solltest du dir eine andere Strategie aussuchen.

Ich empfehle dir die Strategie der Widerstandslosigkeit. Sie braucht vielleicht ein wenig Erklärung, aber im Grunde ist sie ganz einfach: Bist du mit dem Leben im Widerstand, erlebst du Schmerzen. Bist du in Harmonie mit ihr, erlebst du inneren Frieden. Das ist ein Prinzip, dem sich niemand entziehen kann. Die Dinge sind so, wie sie sind. Auch wenn wir sie nicht verstehen, können wir sie im Moment des Erleben nicht verändern.

Nehmen wir dein Beispiel der Zurückweisung: Ein geliebter Mensch verlässt dich, du empfindest Zurückweisung. Allein dieser Begriff erzeugt den Schmerz und nicht das Verhalten dieses Menschen…

Frage: "Du sprichst oft von der 'Totalität des momentanen Augenblicks'. Kannst du erklären, was du damit genau meinst?"

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Ahlaad: Gerne, es ist ganz einfach: Die "Totalität des jetzigen Augenblicks" ist das Einzige, was es gibt. Oder kannst du etwas anderes wahrnehmen? Sobald du etwas außerhalb des jetzigen Augenblicks erkennst, ist es bereits wieder in ihm enthalten. Mit dem Begriff Totalität weise ich auf dieses eine, unteilbare Ganze hin. Darin sind nicht nur die objekthafte Welt, sondern auch Gedanken, Erinnerungen, Sorgen, Formen von Emotionen und das sich selbst Bewusste enthalten. Die Totalität ist ein Fortschreiten und ein Verändern, ein aus sich selbst heraus geborener Prozess.

Vermeintlich glauben wir, dass diese Totalität aus einzelnen Objekten zusammengesetzt ist. Wenn wir die Totalität unvoreingenommen untersuchen, finden wir rasch heraus, dass die angenommenen Einzelobjekte stets in und als die Totalität erscheinen. Ein abgegrenztes Objekt können wir gar nicht erleben. Die Umgebung, der Hintergrund, die Einheit ist immer vorhanden.



Jetzt fragst du dich sicher, ob es nicht auch et…

Frage: "Wie soll ich mit negativen Emotionen umgehen?"

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Ahlaad: Normalerweise versuchen wir Emotionen, die unangenehm sind oder die sogar einen psychischen Schmerz auslösen, zu vermeiden. Dabei entgeht uns jedoch eine wichtige Möglichkeit unsere Denkmuster und Konditionierungen zu erforschen.

Ich empfehle, die unangenehmen Emotionen als Chance wahrzunehmen. Sollten sie dich heimsuchen, dann verliere dich nicht in ihrem emotionalen Schmerz. Du solltest sie aber auch nicht verdrängen. Frage dich, wieso du diese Emotion hast: Welche Überzeugung oder welchen Glauben muss ich haben, damit diese Emotion möglich wird? Wenn du deine Emotionen auf diese Weise untersuchst, wirst du rasch auf Glaubenssätze stossen und sie so vom Unbewussten ins Bewusstsein holen.



Dann kannst du die Überzeugungen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Manchmal braucht es auch ein wenig Unterstützung einer anderen Person, wenn wir zu stark mit den Überzeugungen identifiziert sind. Die Glaubenssätze werden einer gewissenhaften Überprüfung nie standhalten. Denn Überzeugu…

Frage: "Wir haben in der heutigen Meditation erkannt, dass es keine objektive Welt gibt. Es sind alles Wahrnehmungen und ich bin die "Wahrnehmende". Mit diesem Werkzeug fällt es mir meistens leicht mich von eigenen Sorgen und Problemen, die ja nicht existieren, zu distanzieren. Was ist jedoch wenn man z.B. auf leidende Menschen trifft. Kann ich da einfach denken: "Ach, das ist ja nur eine Wahrnehmung und ich bin das Bewusstsein, welches diese Wahrnehmung wahrnimmt...". ? Ich fühle mich dann irgendwie distanziert von der Welt, z.B. eben von diesem Leid."

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Ahlaad: "Ist es nicht genau umgekehrt? Probier es im Leben selber aus. Wenn du leidest und dich mit der leidenden Person identifizierst, hast du keine Möglichkeit dich für das Leid anderer Menschen zu interessieren. Zu fest bist du mit dir selbst beschäftigt. Deswegen stossen wir Menschen von uns weg und verletzen sie. Wenn du dich hingegen nicht mit den Sorgen und Problemen identifizierst und aus der Perspektive des Bewusstseins wahrnimmst, dann hast du die Fähigkeit, das Leid anderer und auch das von dir selbst zu spüren. Dabei bleibst du jedoch jederzeit handlungsfähig. Zu helfen, wenn jemand in Not ist, ist eine ganz natürliche Reaktion, wir sind emphatische Geschöpfe. Helfen ist keine besondere Gabe, jeder Mensch besitzt sie. 





Bewusstsein ist bedingungslos liebend. Und Liebe bedeutet Verschmelzung, Einswerdung, auf das zuzugehen, was noch nicht in Liebe ist. Je grösser der aufgewachte Teil von dir ist, desto grösser ist die Empathie und die Bereitschaft Leid zu lindern. Das…

Frage: "Ich habe eine unheimliche Angst vor dem Tod. Diese Angst schränkt mein Leben sehr ein. Was kann ich machen?"

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Ahlaad: "Du kannst deine Einstellung zum Tod mit deiner Wahrnehmung überprüfen. Wenn du erkennen könntest, dass deine Einstellungen zum Tod nicht real sind, verschwindet auch die Angst. Lass es mich erklären:


Erstens: Meistens nehmen wir an, dass eine Existenz mit der Geburt ins Leben kommt und mit dem Tod wieder verschwindet. Wenn du jedoch die Existenz als Ganzes betrachtest, dann fällt dir sofort auf, dass Geburt und Tod nicht vom Leben getrennt ist. Leben bedeutet, dass es sich ständig erneuert. Geburt, Tod und Leben finden immer gleichzeitig und am gleichen Ort statt. Wenn du so das Leben anschaust und kurz mal so tust, als würde es die Wörter Geburt und Tod gar nicht geben, dann erkennst du diese ständig fliessende und sich erneuernde Existenz. Form kommt nicht und geht nicht, sie ist nur im stetigen Wandel. Wenn du also deine Überzeugungen über den physischen Tod auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfst, wirst du zu neuen Erkenntnissen gelangen.

Zweitens: Wenn du diese genial…